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Nissans Faust

Ein Supersportler, der seine Gegner blamiert – bei der Leistung, beim Preis und auch sonst bei fast allem.

Unser Mann am Steuer
Erstaunlich, dass man den Nissan 370Z so schnell vergessen hat, diesen schlanken, zugespitzten freudig-fröhlichen Sportler. Wenn im Rück­spiegel allerdings ein Nissan GT-R auftaucht, kehrt die Erinnerung schlagartig zurück. Der GT-R taucht für uns Europäer ansatzlos auf und verbläst alle Vorstellungen, die wir von einem Nissan haben.
Ansatzlos kommt der GT-R in Europa, weil sein direkter Vorfahre, der Nissan Skyline, hier nicht vermarktet wurde. Jetzt ­also GT-R, das klingt auch so, wie sich das Auto fährt, und
es weist auch unmissverständlich auf die Ambitionen hin, die Nissan mit diesem Gerät hegt, erklärt Kris Rosenberger: „Schon der Nissan Skyline war eine Allrad-Granate mit Hightech-Features wie Allradlenkung – jetzt heißt der Nachfolger eben GT-R, das passt auch, um in der rasan­ten Oberliga mitzumischen.“

Die Eckdaten dafür: V6-Biturbo-Motor, 485 PS, 588 Nm Drehmoment, 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, permanenter Allradantrieb. Spitze: 310 km/h, 100 km/h sind in 3,5 Sekunden abgehakt, da kommt man als Durchschnittsautofahrer mit dem Denken (eher harmlos) und dem Lenken (das ist dann schon eher unangenehm) kaum mit. Also verfügt der GT-R auch über allerlei elektronische Fangnetze, die ihre Aufgabe wirklich sehr gut erledigen.

Kris Rosenberger: „Der GT-R ist technisch sensationell und unvergleichlich, beim Beschleunigen wirkt er noch stärker, als er tatsächlich ist, durch das Doppelkupplungsgetriebe wird die Kraft nie unterbrochen. Normalerweise bin ich kein großer Fan dieser Getriebe, hier aber funktioniert alles perfekt: Wenn man die Lenkradpaddles betätigt, reißt das Getriebe den nächsten Gang in Sekundenbruchteilen rein. Auch mit wachsamem ESP gehen sich leichte Drifts aus, dabei scheint Nissan Angst vor der eigenen Courage zu haben: Um alle Sicherheitsnetze auszuschalten, muss man drei Schalter betätigen. Dann hat der GT-R freien Lauf, aber da habe auch ich Respekt vor dem Kickdown und der vollen Beschleunigung.“

Ist ein Sechszylinder in der Oberliga nicht etwas wenig? Kris Rosenberger: „Nein, der Biturbo katapultiert den GT-R in eine neue Liga, und mit 3,8 Litern Hubraum steht er auf ­Augenhöhe mit dem Porsche 911. Der hat auch sechs Zylinder, und niemand käme auf die Idee, dass ihm etwas fehlen könnte.“

Der GT-R ist also ein Sportwagen reinsten Wassers, was sich aber noch nicht flächendeckend herumgesprochen hat. Daran ist Nissan auch ein wenig selbst schuld. Kris Rosenberger: „Bei Anmutung und Design und damit auch beim Image bleibt ein wenig Abstand zur etablierten Konkurrenz.“ Und auch beim Preis. Rund 100.000 Euro sind zwar eine Menge Geld, aber ein vergleichbarer Porsche kostet mehr als 170.000 Euro.
Im Straßenbild ist der Nissan dennoch ein rarer Anblick, aber die Jugend der Playstation-Gene­ration fährt ihn scharen­weise – kaum ein Computerspiel, in dem der GT-R nicht die Gegner versägt. Die Affinität zur digitalen Lebensart merkt man dem GT-R vor allem innen an, wo man feinste, sagen wir, japanische Spielereien findet. So darf sich der Fahrer durch die zehn Ebenen des Monitors scrollen und sich wahlweise über Querbeschleunigung, Ladedruck der Turbos, Rundenzeiten, Temperaturen von Öl und Wasser und ähnliche hochbeschleunigte Daten informieren.

Man ahnt bereits: Für den Alltag bleibt da wenig Raum. Zwar kann man, wenn man über sehr viel Selbstbeherrschung verfügt, den GT-R auch langsam fahren, stressfrei cruisen und so neue Blickwinkel absurfen, aber man kann die Familie kaum zusteigen lassen. Die Notsitze im Fond sind nämlich solche. Wer dort zusteigt, sollte Kind sein oder sehr bald wieder aussteigen wollen. Kris Rosenberger: „Aber als Ablage sind die Sitze wirklich sehr nützlich, und der Kofferraum ist für einen echten Sportwagen relativ groß.“

Technische Brillanz also auch hier, und natürlich auch bei den Bremsen: „Die Bremsanlage ist für die Rundstrecke ausgelegt, im Straßenverkehr ist absolut kein Fading zu befürchten.“ Auch nicht, wenn man mehrmals runterbremst, um im nächsten Augenblick wieder zu beschleunigen, die Wucht des vollen Antritts zu spüren, die Brutalität der ungefilterten Kraft. Die Faust im Nacken kann verdammt angenehm sein, solange es die eigene ist.

Nissan GT-R
Motor
V6-Biturbomotor, 6-Gang-Doppelkupplungs­getriebe, Allrad permanent
Systemleistung

357 kW/485 PS

Gewicht
1815 kg
Topspeed
310 km/h
0-100 km/h
3,5 sec
MVEG-Verbrauch
18,3/9,1/12,4 l/100 km
Preis
€ 101.479,–
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