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Die Legende bebt

Und sie steht dennoch mitten in Gegenwart und Zukunft: Gäbe es nur ein Sportcabrio auf dieser Welt, es müsste jenes sein.

Unser Mann am Steuer
Erstaunlich, wie Porsche das Denkmal 911 über die Jahrzehnte trägt, ohne sich dabei in staubiger Nostalgie zu verstricken: Das Netzhautmuster der Karosserie ist höchst vertraut, wird aber stets Richtung Zukunft gebürstet; winzige Änderungen formen neue Kapitel, ohne dass dabei die gesamte Geschichte aus den Augen verloren würde, und die Technik hält locker mit: Der Sound des Sechszylinder-Boxers balanciert besser zwischen Hardrock und Ballade, als je ein Musiker vor ihm, und durch steten Feinschliff wird der 911 optimiert, hochgezüchtet und ausgereizt, ohne jemals gereizt zu wirken. Denn Zuverlässigkeit und Wertstabilität des 911 sind die Messlatte der Konkurrenz, hier wird die hoch drehende Legende runtergekühlt auf eine fassbare Konstante am Horizont der Begehrlichkeiten.

Das 911 Cabrio passt natürlich perfekt in den Sommer, die Güte des Verdecks und der Allradantrieb sind Goodies für Winter, an den wir jetzt noch gar nicht denken wollen, und die Wahl des Motors bleibt wie immer eine Frage persönlicher Vorlieben, wie Kris Rosenberger betont: „Die 345 PS des Sechszylinder-Boxers im Carrera 4 Cabrio sind perfektes Maß, auch, wenn man sportlich und sehr sportlich unterwegs sein will. Beim Offenfahren gingen die 40 zusätzlichen PS des Carrera S nicht ab, sie sind auch nicht unbedingt fühlbar, so lange man das Potenzial des 911 nicht ausreizt, fahren aber als kleine Freiheit mit. Die 500 PS des 911 Turbo wird man im Cabrio noch seltener voll ausspielen.“ Denn ein Teil des Kicks kommt sowieso aus dem Sound, „der ist noch immer wunderbar, auch, wenn die luftgekühlten 911er einst noch unvermittelter brüllten: Was die Wasserkühlung seit ihrer Einführung 1997 schluckt, kompensieren die Sounddesigner jetzt über den Auspuff, und wer den Klang noch deutlicher hören mag, dreht ihn mittels eines Sportauspuffs lauter.“

Man kann das Porsche 911 Carrera 4 S Cabrio für sich schalten lassen, man muss aber nicht. Kris Rosenberger: „Das serienmäßige Sechsgang- Getriebe passt perfekt zu einem fahraktiven Auto wie dem 911, er bietet in seiner jüngsten Generation aber auch ein optionales Doppelkupplungsgetriebe, bei Porsche PDK genannt. Damit reißt der Kraftfluss beim Beschleunigen nie ab. Die Skepsis echter Sportwagenfahrer ist völlig unberechtigt: Die Gänge werden eingelegt wie bei einem Renngetriebe, und wer mag, kann über Schaltpaddles eingreifen.“ Was aber kaum nötig sein wird, vor allem nicht beim entspannten Cruisen. Denn auch dazu lädt das Fahrwerk ein, besonders mit Porsche Active Suspension Management (PASM), dessen Talente Kris Rosenberger beeindrucken: „Die Fahrwerkscharakteristik ist auf Knopfdruck wählbar. In der Soft- Position gibt’s guten Komfort für lange Autobahnetappen, und auf der Rundstrecke oder einer kurvigen Bergstraße lassen sich alle Parameter Richtung Performance schärfen. Die Spreizung ist perfekt, während man sich früher für eine bestimmte Charakteristik entscheiden musste.“

Keinerlei Entscheidung verlangt der permanente Allradantrieb. Kris Rosenberger: „Im Sommer ist der Heckantrieb des zweiradgetriebenen 911 ausreichend, denn durch die Lage des Motors ist die Traktion hervorragend – im Winter oder bei Nässe greift der Allradantrieb der Traktion angenehm unter die Arme. Und das 911 Carrera 4 S Cabrio ist ein tolles Ganzjahres-Auto: Durch das dick gefütterte Verdeck bleiben alle Wetterlagen draußen, und in der Zubehörliste findet sich auch noch ein Hardtop.“ Der Sommer ist natürlich die optimale Jahreszeit für dieses Auto, das Verdeck öffnet sich elektrisch, der Fahrtwind bleibt auch überland wohldosiert, nur wer in illegale Geschwindigkeitsregionen vordringt, wird am Ende der Fahrt eine deutlich andere Frisur tragen. Auf den Rücksitzen gibt’s dieses Problem nicht, weil sie praktisch allen Passagieren zu winzig sind und daher nur als Gepäckablage taugen. Und diese Ablage ist wichtig, denn der Kofferraum unter der vorderen Haube ist mickrig.“

Gibt’s darüber hinaus Kritikpunkte? Kris Rosenberger: „Bestenfalls den Preis. Und die Vorurteile, die einen Porschefahrer noch immer treffen.“ Nachsatz: „Wer die 139.310 Euro für diesen hochmodernen Klassiker ausgibt, ist aber auch über die Vorurteile erhaben. Außerdem ist der 911 ein sehr vernünftiges Auto: Wertverlust und Verbrauch sind gering wie bei keinem anderen Sportler.“

Porsche 911 Carrera 4 S Cabrio
Motor
6-Zylinder-Boxer (im Heck)
Systemleistung

261 kW/385 PS

Drehmoment
420 Nm
Topspeed
297 km/h
0-100 km/h
4,9 sec
MVEG-Verbrauch
16,8/8,0/11,2 l/100 km
Preis
€ 139.310,–
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